Category: Jobu (page 1 of 2)

Jobu VII

“Und Siehe! Siehe die Kräuter und Blumen, die Wiesen und Bäume, die Flüsse und Forellen. Vor allem die Forellen. Zusammen mit den Kräutern. Da verbindet sich alles und Jobu erwacht mit einem fröhlichen Schmatzen. Forelle Jägerin Art. Oder Blau. Oder Gebacken mit feiner Kruste und duftenden Kartoffeln. Niemals aber sollt ihr von den Früchten des Meeres kosten. Denn diese haben einen zu weiten Weg hierher in die Berge. Nur in Öl vielleicht. Dann sind sie aber nicht so lecker. Nein, gar nicht mehr so lecker. Und merke: Wer Jobu erzürnt mit Unleckerem, der soll aus dem Kelch des Hasses trinken, bis er platzt.”

So sprach der dumme Erzechiell, falscher Schweinepriester des Jobu mit fischigem Atem. Und weil er so Böses sprach und so falsches Zeugnis wider Jobu und seine Lehren wurde er in die tiefste Hölle verbannt: Die Hölle des Fast Food, der latschigen Kartoffelstäbchen und fettigen Fleischklopse mit schlechtem Dressing. Dort soll er seine Tage mit Schmachten verbringen. Nimmermehr soll er Wohlgerüche erfahren ausser dem Braten, der allwöchentlich verlockend an seinem Pfahl vorbeigetragen wird. Auf diesem Pfahl muss er sitzen und in enger Haltung sein Schreckliches Gewölle auslöffeln. Und niemals wird er je wieder das Licht von Jobu erblicken, denn er findet sich am Antigastropoden des Universums. Keine Hoffnung gibt es für all jene, die dort darben müssen noch Erlösung von der Pein. Unendlich weit entfernt sind die Küchen des heiligen Jobu, unerreichbar die Vorratskammern des HERRN.
Denn jeder Gutgläubige weiß doch, dass Forelle ganz scheußlich schmeckt. Besonders Forelle Blau.

[Aus: “Die Apokryphen des Jobu:: Schandflecke der Lehre”, Band I, Kapitel 3, Vers 5]

Jobu VI

“Und Hepziba bat Jomm zum Essen und sagte zu ihm: “Nimm von dem Brot und tauche es dort in den Essig”. Und Jomm nahm den Krümel auf, tauchte ihn in den Essig, aß und sprach: “Lecker.” Dann stand er auf und ging davon” [Aus: “Das Leben mit Jobu”, Kapitel 1, Vers 10]

Der Meister sprach:
Was will uns Jobu mit dieser kurzen Geschichte sagen? Viel, nehmt ihr an, meine Schafe, und doch wißt ihr nicht so recht, was genau. Hepziba freut sich sehr über Ihren Besuch und bietet ihm das Beste in Haus und Hof an. Essig und Brot. Feine Dinge. Vielleicht hat sie sogar sexuelles Interesse an Jomm und will Ihn damit locken? Das interessiert uns erst zu späterer Stunde. Doch mag Sie Ihn wirklich? Warum bietet sie nur eine kärgliche Vorspeise an? Jobu liebt ausladende Tische, vollbeladen mit Köstlichkeiten. Geht Jomm deswegen wieder so schnell davon? Ist Hepziba vielleicht nur eine geizige Schlampe? Und bleibt deswegen allein? Armer Jomm. Brot und Essig. Furchtbar muss der Zorn Jobus in Jomm gekocht haben ob der Dreistigkeit der alten Hepziba. Grauenhaft geknurrt hat Jobu in Ihm und sein Zorn muss schrecklich gewesen sein. Denn sehet, was vorher geschah:
“Und Jomm entstieg seinem Nachtlager, wusch sich und kämmte sich das volle, braune, lockige Haar, bis es wie feine Wellen von seinen muskulösen Schultern glitt und sich um die Muskeln seine gewaltigen Bizeps ringelten. Diese Anstrengung hatte ihn hungrig gemacht und deshalb begab er sich zur Andacht in die Küche.” [[Aus: “Das Leben mit Jobu”, Kapitel 1, Vers 9].”

“Armer, hübscher Jomm. Wird von dieser dummen Ziege Hepziba so mißlich behandelt. Armer, armer, schöner, leckerer Jomm”, sagte der Meister und seine Augen glühten.
“Und sehet, was der erzürnte Jomm als nächstes tat:”

“Da ging Jomm davon und setzte sich zu seinem guten Freund Kiseleas. Sie umarmten sich, wie es Freunde tun und streichelten sich gegenseitig Brust und Bauch. Auch kraulten sie sich liebevoll die Haare und küssten sich auf dem Mund. Und Kiseleas speiste seinen Freund auf das vortrefflichste und beide schmausten vergnügt so manche Stunde.” [Aus: “Das Leben mit Jobu”, Kapitel 1, Vers 11]”

Und der Meister sprach weiter:
“So, meine lieben Zicklein, so soll es zwischen Brüdern sein, auch wenn sie Glaubensbrüder sind. Denn Jobu ist großzügig. Und Hepziba wurde ausgestoßen und lange Zeit gab es keine Schwestern mehr, die mit Jobu waren, sondern nur Brüder, die voll von IHM waren. Doch die Zeiten ändern sich und heute begrüßen wir auch wieder Schwestern in unseren Reihen; wohl auch, damit es wieder leckere Kuchen und Törtchen gibt, denn vom ewigen Grillfleisch hängt mir schon die Zunge zum Halse heraus und mir wird speiübel.”

So sprach der Meister, steckte sich einen Finger in der Hals und erbrach sich geräuschvoll auf den Teppich.
Dann schritt er zum späten Morgenmahl, das vor dem frühen Mittagessen und gleich nach dem Zweiten Frühstücksnachschlag serviert wurde.

Jobu V

Und der Meister sprach:

“Jobu ist ein freundlicher Gott. Jobu ist gütig. Jobu liebt uns, seine Kinder. Und Jobu will, dass wir glücklich sind. Deswegen lebt Er in uns und erfüllt uns mit Seiner göttlichen Präsenz. Manchmal kann das Wohlgefühl allerdings zu stark werden, zu gross, die Erfahrung zu gewaltig und deswegen beinahe schmerzvoll. In solchen Momenten schenkt uns Jobu eine Erleuchtung, eine Epiphanie. Lasst uns deswegen nun alle von diesem Kraut kosten, das Er in seiner Weisheit uns geschenkt hat. Und beachtet bitte, dass es nur 750 000 Scoville Einheiten hat.”

Und ein Poltern und Schreien hub an, wie die Schreie der Verdammten, die im Lavasee der Hölle gefoltert wurden. Hier und da schrien einige nach Erlösung, andere nach Mayonaise und wieder andere nach Milch und Brot. Dem Meister aber liefen Tränen über die Wangen und seine Zunge blutete. Langsam griff er nach einem Brot und schob es sich Stück um Stück in die Wange. Die Tränen aber wischte er nicht ab. Als sich der Tumult gelegt hatte, sagte er mit heisserer Stimme:

“Und sehet, gross ist Jobu und gnädig. Wir leben noch. Lasst uns nun über Schmerzen reden und zu etwas richtig Scharfem greifen.”

Und es war ein grosses Geheul unter den Jüngern und viele wandten sich vom Glauben ab.

Jobu IV

Und der Meister sprach:

“Meine lieben Kinder, so höret denn, was Jobu zur Unzucht zu sagen hat. Und während ihr dabei seid, zuzuhören, könnt ihr vielleicht einen Augenblick die Finger aus der Nase lassen, das wäre ganz grossartig. Vielen Dank. Danke auch dir, Jesekaia, dass du deine Finger auch aus Jezebels Nase lässt. Dank sei auch dir, Hoffrit, dafür dass du deine Finger auch nicht sonstwohin steckst. Dank sei auch Jobu, dass er mir so viele besondere Menschen geschickt hat, um seine Botschaft zu verbreiten. Wohlan denn, lasst uns hören, was Jobu über den Gottesdienst zu sagen hat. Und unterbrich mich nicht dauernd, Kai, ich weiss sehr wohl, über welches Thema ich mit euch sprechen wollte. Ahh, wo war ich? Ja, itzo sehen wir den Raum, den uns Jobu in Seiner Weisheit zum Geschenk gegeben hat. Dieser Raum befindet sich in uns. In unserer Vorstellungskraft, welche sich im Kopf befindet. Euch allen hat Jobu dort grossen Raum geschenkt, den es nun zu füllen gilt. Der Gottesdienst aber soll nicht vor elf Uhr mittags beginnen, denn vorher sollt ihr einen Verdauungsschlaf, der euch durch die Zeit, die ihr durch das Frühstück verbraucht habt, ermangelt, halten. Und wahrlich, so will es Jobu. Verflucht, Hoffrit, nimm endlich deine Finger da weg. Ach weh, ein Klagen hebt an bei meinen Kindern. Ich muss das Frühe Abendessen vorbereiten. Es wird Hirse mit Gerste und Feldfrüchten geben. Und dazu vielleicht ein paar Hühner- und Schweineteile. Und natürlich köstliches Wasser, das uns Jobu zur Stärkung der Demut empfiehlt. Diesmal in Form von dunklem Bier. Denn siehe, das passt besser zum Schweinebraten mit Knödeln und Kraut, das es zum Richtigen Abendessen geben wird.”

Und der Meister stand auf und schritt unter dem lauten Geblöke der Rinder, Schafe, Schweine und Jünger zum Herd.

Aus: [Das Leben mit Jobu, Kapitel II, Verse 23-25]

Jobu III

Und der Meister sprach:

Und höret, meine lieben Kinder, denn ihr seid wie meine Kinder, eins wie das andere und jedes wie mein eigen Fleisch und Blut. So höret denn, wie Jobu gehuldigt werden soll: Ein jeder soll für sich Jobu anbeten, denn Jobu ist höchst individuell. Betet der Eine Ihn mit einem leckeren Braten an, so findet der Andere Sein Gehör durch geistige Getränke. Obst und Gemüse sind Ihm ebenso recht und gut wie Schokolade und Brownies. Obwohl, vergesst das mit den Brownies, die mag Er nicht leiden. Dereinst gab es einen Narren, der Jobu durch Brownies verehrte. Dieser ward nicht mehr gesehen, denn Jobu hatte ihn in Seinem heiligen Zorn vernichtet. Auch bei der Limonade müsst ihr achtgeben, dass ihr nicht von der falschen nehmt. So ihr aber seine Gunst habt, sollt ihr sie behalten durch stetes Opfern.

Zeit für das zweite Mittagessen und ein schönes Stückchen Kuchen.

Aus:[Leben mit Jobu, Kapitel II, Vers 12]

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