Month: November 2006 (page 2 of 2)

Ein Tischgespräch

[Am Anfang muss festgehalten werden, dass folgendes aus einer einseitigen und rein männlichen Sicht erzählt wird. Alle Ansichten und scheinbaren Feststellungen sowieso. Der Erzähler weigert sich aktiv, allwissend zu sein]

Mann und Frau, nicht verheiratet, nur partiell verliebt.

Restaurant.

Gespräch:

Etwas stockend zu Anfang. Um der ganzen Sache einen leichten Anschub zu geben, wählt der Mann das Stilmittel der Provokation: “Du hast heute die falschen Klamotten an!”.

Sie, ganz Dame, lächelt leicht und spielt mit. Danach entwickelt sich die Konversation ganz prächtig, es werden Lebensmodelle erdacht und kommuniziert, wirre oder gut klingende Ethikmodelle erfunden und vom Manne ganz freudig mitgeteilt. Belohnung durch Lächeln, Verwirrung, Fragen und Stirnrunzeln. Weitere, genauere Erklärung beim männlichen Teils, dabei dort wohlbewusst der Unzulänglichkeit gesprochener Sprache, der Zweideutigkeit der Semantik usw. usf. Freudiges Erkennen und ebensolche Erkenntnis beim Gegenüber. Nach etwa einer Stunde erhellender oder zumindest erheiternder Konversation dann die Frage der Weiblichkeit:

“Hab ich wirklich die falschen Klamotten an?”.

Geiler Perspektivewechsel. Der Mann verlässt unter schallendem Gelächter das Lokal.

Ende.

Tageskarte 1

XXX “Tiamat der Vernichter”

Manchmal ist ein Ende unausweichlich. Machen Sie sich bewusst, dass alles ein natürliches Ende hat und erleben Sie das als Chance für einen Neuanfang. Weichen Sie nicht vor der Möglichkeit der kompletten Vernichtung zurück und schauen Sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf das Unvermeidliche. Jeder Nacht, und mag sie auch noch so blutig gewesen sein, folgt der Sonnenschein eines neuen Tages. Und wenn auch nicht für Sie, so doch wenigstens für Ihr Umfeld. Ein Hund könnte Ihnen treue Dienste vor dem Ende leisten, vielleicht sogar die besten, die sie jemals erlebt haben.
© Hanno Banzai

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