{"id":47,"date":"2010-06-14T17:53:11","date_gmt":"2010-06-14T15:53:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schreibblogga.de\/?p=47"},"modified":"2013-05-14T17:09:22","modified_gmt":"2013-05-14T15:09:22","slug":"atlantis-eine-kurze-genese","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schreibblogga.de\/?p=47","title":{"rendered":"Atlantis &#8212; Eine kurze Genese"},"content":{"rendered":"<p>Platon (360 v. Chr.): griechischer Philosoph und passionierter Scherzkeks. Denkt sich eine fiktive Schlacht der Athener gegen eine angeblich unaufhaltsame Supermacht &#8220;westlich der S&#228;ulen des Herkules&#8221; aus. Mit anderen Worten also &#8220;jdw&#8221; (janz weit draussen). Dann beschreibt er die Insel Atlantis mit Kreisen, G&#246;ttern, Herkunft und politischem System. So &#228;hnlich wie Tolkien, nur weniger detailliert und im allgemeinen ohne Hobbits. Man vergleiche nur mal die Beschreibung bei Platon:<br \/>\n&#8220;In einer weiten Ebene erhebt sich ein gewaltiger H&#252;gel, &#252;ber den hin der gr&#246;&#223;ere Teil der Stadt erbaut ist. Ihre vielfachen Ringe aber erstrecken sich in eine betr&#228;chtliche Entfernung vom Fu&#223;e des Berges. [&#8230;] Sie ist in sieben riesige Kreise oder Ringe eingeteilt, die nach den sieben Planeten benannt sind.&#8221;<br \/>\nHier die Beschreibung von Minas Tirith:<br \/>\n&#8220;Minas Tirith liegt auf dem 200 Meter hohen Berg der Wacht, der &#252;ber einen Sattel mit dem Berg Mindolluin verbunden ist. Jeder der sieben konzentrischen Mauerringe, die die Stadt sch&#252;tzen, wird durch eine gigantische Felsformation in Form eines Keils in zwei H&#228;lften geteilt, sodass in jedem Ring ein Tunnel unter dem Keil hindurchf&#252;hrt, um die H&#228;lften zu verbinden. &#220;ber der siebenten Ebene erhebt sich schlie&#223;lich der rund 90 Meter hohe Wei&#223;e Turm Ecthelions.&#8221; (Quelle ist irgendein Wiki, kann jeder selber in 0,5 Sekunden finden).<br \/>\nKein normaler Mensch kommt jetzt auf die Idee, dass Tolkien da historische Tatsachen beschreibt. Im maximalsten Fall hat er halt bei Platon abgekupfert, oder sich die Kasperbude Minas Tirith selber aus den Fingern gesaugt. Da&#223; die Welt voller Idioten ist, werden wir im Laufe dieses Artikel noch sehen.<br \/>\nDoch nun zur&#252;ck zu Platon:<br \/>\nVermutlich meinte er es nur gut und wollte irgendwas didaktisches anstellen mit seinen Dialogen &#8220;Timaios&#8221; und &#8220;Kritias&#8221;. Der Scherz wird in seiner Zeit noch verstanden, denn weder direkt vor noch nach Platon kann sich sonst irgendeine Sau an diese tolle Schlacht erinnern. Rein markentingtechnisch m&#252;sste sowas sonst an jeder S&#228;ule stehen. Siehe auch Xerxes, &#8220;300&#8221; etc. .<\/p>\n<p>Krantor von Soloi (275 v. Chr.): Der erste &#252;berlieferte Hirni, der den Gag nicht geschnallt hat. Hinterl&#228;&#223;t seinem guten Freund Arkesilaos 12 Talente, den Gegenwert von 12 Segelschiffen, 240 Sklaven (durchschnittlicher Qualit&#228;t) oder 1000 Paar Schuhen (Blanikos). Weitere Hinterlassenschaften: &#8220;Atlantis gabs wirklich, echt jetzt, ohne Scherz, Mann, bei Platon stehts ! Kein Schei&#223;!&#8221;<\/p>\n<p>Poseidonios (135 v. Chr.): F&#252;hrt die D&#246;delparade weiter an, war unter anderem ein bekennder Arschkriecher in r&#246;mische Allerwerteste. Bedeutende Leistungen waren unter anderem die fehlerhafte Berechnung des Erdumfangs, die dann fleissig von Ptolemaios et al. propagiert wurde und zu zahlreichen Katastrophen wie dem nautischen Totalausfall Christoph Columbus f&#252;hrte . Weiter war er ein leidlich begabter Rassist: &#8220;Germanen sind irgendwie gro&#223;, doof und fressen viel, Mittelmeerleute sind klein, braun und feige.&#8221;<\/p>\n<p>Plinius der &#196;ltere (23 n. Chr.): H&#228;lt die tats&#228;chliche Existenz von Atlantis f&#252;r ausgemachten Schwachsinn. Seine Leistungen sind einigerma&#223;en beeindruckend, sein naturwissenschaftliches Werk &#8220;Naturalis historia&#8221;, sowie seine in der Folge oft zitierte und damit wichtige Geschichtsquelle &#252;ber die Germanenkriege zeugen B&#228;nde von Gelehrsamkeit. Starb, wie ein Wissenschaftler sterben sollte, bei dem Versuch, den Ausbruch des Vesuvs zu beobachten an einem Herzinfarkt. Ihm wird das Zitat &#8220;in vino veritas&#8221; zugeschrieben.<\/p>\n<p>Nach den barbarischen Zeiten, die dem Aufstieg der Kirche des Lattengustls folgen und in dessen Verlauf sich kein Schwein mehr f&#252;r Atlantis interessiert, sondern vielmehr f&#252;r weitaus realistischere Dinge wie Hexen, Kobolde, Satan und seine D&#228;monenscharen sowie f&#252;r aggressive Expansionspolitik mit ausgedehnten Kollateralsch&#228;den (kleinere Dinge wie Kultur, Bildung, Menschlichkeit), wird die Kiste dann ausgerechnet durch Christoph Kolumbus bzw. einen seiner Zeitgenossen Bartolom&#228;us de Las Casas wieder aufgemacht.<\/p>\n<p>Bartolom&#228;us de Las Casas: Der &#8220;Berti von den H&#228;usern&#8221;, altert&#252;mlicher Ausdruck f&#252;r einen Hausmeister. Priester. Behauptete eines Morgens aus einer Bierlaune heraus, Amerika sei der &#220;berrest von Atlantis.<\/p>\n<p>Es folgen eine Reihe von Typen, die das weiter spinnen, teilweise wieder, um Platons urspr&#252;nglichen Plan einer Utopie zu benutzen und zu erweitern (1516, Thomas Morus: &#8220;Utopia&#8221;).<br \/>\nFrancis Bacon versaut es dann 1624 wieder komplett und schwafelt in seinem &#8220;Nova Atlantis&#8221; von Patriarchat, christlicher Sittenstrenge usw. Angeblich fehlt die Sozialkritik da nur deswegen, weil der &#8220;schwer drogenabh&#228;ngige Francis&#8221; (W. Moers) vorher den L&#246;ffel weggelegt hat.<\/p>\n<p>Von da an gibts kein Halten mehr, Die &#8220;Arschgeburt Atlantis&#8221; (Marcel Reich Ranitzki) geistert im 16. und 17. Jhr. durch allerlei mehr oder minder gut gef&#252;llte Birnen und wird wahlweise als Idealstaat mit &#8220;Recht und Ordnung&#8221;, sowie beliebig auf der politischen Landkarte auch mal in Schweden bzw. Mannheim vermutet. (Olof Rudbeck, &#8220;Atland eller Manheim&#8221;).<\/p>\n<p>Auftritt der Verbindungsmaschine Internet, die alles mit allem verkn&#252;pft. Da wird Atlantis dann zur Keimzelle s&#228;mtlicher Kulturen und das nat&#252;rlich weltweit. Die Zerst&#246;rung desselben wird dann als mahnender Zeigefinger f&#252;r wahlweise &#8220;S&#252;nde&#8221;, &#8220;&#220;berheblichkeit&#8221;, &#8220;Gr&#246;&#223;enwahn&#8221; und &#8220;Strafe Gottes&#8221; eingesetzt. Und die Reste der Atlanter bzw. deren Wissen (das zumindest ist ein neuer Aspekt, fr&#252;her ging es nur um Kreise und Ringe und Bodensch&#228;tze und so) wird bei den Mayas, &#196;gyptern, und vermutlich auch bei den Schweden &#8220;wiedergefunden&#8221;. Der geneigte Leser kann sich mit Hilfe einer Suchmaschine seiner Wahl selbst ein Bild vom &#8220;Irrsinn Atlantis&#8221; (G. Grass) machen.<\/p>\n<p>Wenn Platon gewu&#223;t h&#228;tte, in welche Abgr&#252;nde er verwirrte Geister st&#252;rzen w&#252;rde mit seinem Randwitz .. Aber das konnte noch nicht mal Platon ahnen. Die arme Sau.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Platon (360 v. Chr.): griechischer Philosoph und passionierter Scherzkeks. Denkt sich eine fiktive Schlacht der Athener gegen eine angeblich unaufhaltsame Supermacht &#8220;westlich der S&#228;ulen des Herkules&#8221; aus. Mit anderen Worten also &#8220;jdw&#8221; (janz weit draussen). Dann beschreibt er die Insel Atlantis mit Kreisen, G&#246;ttern, Herkunft und politischem System. 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